Linh Blog Wenn Wörter Purzelbäume schlagen: Vietnamesische Redewendungen, die man nicht übersetzen kann
Wenn Wörter Purzelbäume schlagen: Vietnamesische Redewendungen, die man nicht übersetzen kann
**Chó ăn đá, gà ăn sỏi** – Hunde fressen Steine? Linh erklärt, warum man vietnamesische Redewendungen nie wörtlich übersetzen darf und wie ihr sie trotzdem lernt.
Stellt euch vor, ihr sagt auf Vietnamesisch: Con chó ăn đá, con gà ăn sỏi – und euer Gegenüber grinst nur wissend. Wörtlich heißt das „Der Hund frisst Steine, das Huhn frisst Kies“. Klingt nach einem absurden Tiermenü, oder? In Wirklichkeit bedeutet es: „Das ist mir völlig egal, ich habe keinen Bock darauf.“ Genau solche Momente machen das Vietnamesische so wunderbar verrückt – und genau hier scheitert jede Übersetzungs-App. Als eure Lehrerin Linh sage ich euch: Wer diese Ausdrücke lernen will, darf nicht übersetzen, sondern muss bildlich denken lernen. Und keine Sorge, ich habe ein paar Tricks, damit ihr diese sprachlichen Purzelbäume nicht nur versteht, sondern auch nie wieder vergesst.

Warum wörtliche Übersetzungen hier scheitern
Im Deutschen sagen wir „Das ist mir Wurst“ – und niemand denkt an eine Bratwurst. Genauso funktioniert ăn như rồng cuốn („essen wie ein Drache, der sich zusammenrollt“) – das bedeutet nämlich: jemand isst sehr schnell und gierig, ohne zu kauen. Wenn ihr das wörtlich übersetzt, klingt es nach einem Fantasy-Film. Vietnamesisch ist eine Sprache, die mit Bildern aus dem Alltag arbeitet: Drachen, Hühner, Steine, Flüsse. Der Schlüssel liegt darin, das Bild zu speichern, nicht das deutsche Äquivalent. Fragt euch immer: Welche Szene sehe ich vor mir? Bei nói bóng nói gió („Schatten reden, Wind reden“) seht ihr, wie Wörter wie Wind durch die Gegend wehen – gemeint ist: jemand redet indirekt, macht Andeutungen. Lernt das Bild, und die Bedeutung klebt wie Klebreis an eurem Gedächtnis.
Die Schulbank-Methode: Erst die Szene, dann die Worte
Denkt an eure Schulzeit: Warum konntet ihr euch Liedtexte merken, aber nicht Vokabeln? Weil Lieder Bilder und Rhythmus haben. Genau so lernt ihr jetzt: Stellt euch einen Schüler vor, der keine Lust auf Hausaufgaben hat. Der sagt nicht „keine Lust“, sondern ngại học („Angst vor dem Lernen haben“) – und wenn er trotzdem lernt, dann học gạo („Reis lernen“), also stumpf auswendig pauken, ohne etwas zu verstehen. Seht ihr den Schüler, der über einem Berg von Reis sitzt und Buchstaben kaut? Dieses Bild bleibt hängen. Verknüpft jede Redewendung mit einer konkreten Situation aus eurem Alltag – dem gestrigen Meeting, dem Streit mit dem Partner, dem Essen bei der Schwiegermutter. Je absurder das Bild, desto besser die Erinnerung. Euer Gehirn liebt Quatsch – nutzt das aus.
Die besten Redewendungen für den Alltag – mit Hörbeispielen
Jetzt wird es praktisch. Ich habe vier Lieblingsausdrücke für euch, die ihr sofort anwenden könnt, wenn ihr mit Vietnamesen sprecht. Hört genau hin und sprecht nach:
Das ist die vietnamesische Version von „Man lernt nie aus“ – wörtlich: „Gehst du einen Tag auf den Feldweg, lernst du einen Korb voll Weisheit.“ Ein wunderschönes Bild: Ein Korb, der sich mit Erfahrungen füllt, während man durchs Leben läuft.
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